Odysseus



Ulysses, griechisch Odysseus , König von Ithaca, Sohn des LaŽrtes und der Anticlea. Er ist vermählt mit Penelope und Vater des Telemachus, und verlässt, während sein Sohn noch ein zartes Kind ist, sein Haus, um mit 12 Schiffen gegen Troja zu ziehen. Homer schildert ihn durchaus nur als bewunderungswürdigen Helden, als vielgewandten, erfindungsreichen Mann, an Verstand und Beredtsamkeit vor allen Sterblichen ausgezeichnet und den Göttern vergleichbar, besonders aber als kühn ausharrenden Dulder. Erst die spätere Sage machte ihn zum Bösewicht, vornehmlich dem Palamedes gegenüber.

Nachdem Troja durch seine List des hölzernen Pferdes zerstört war, wurde er durch den Zorn des Neptun auf allen Meeren umhergeschleudert. Neptun zürnte ihm darum so schwer, weil Odysseus dieses Gottes Sohn, den Cyclopen Polyphemus, geblendet hatte. Das Zusammentreffen des Odysseus mit Polyphem bildet eine halb komische, halb grauenhafte Episode in Homers Odyssee. Der Zyklop, ein einäugiger Riese, Polyphem war der Sohn Neptuns und der Nymphe Thoosa. Odysseus kam mit 12 Gefährten in seine Höhle, die der Riese durch einen ungeheuren Felsblock verrammelte, so dass die Fremden nicht mehr entrinnen konnten. So verzehrte Polyphem nach und nach sechs Gefährten des Odysseus, indem er den Helden wiederholt versicherte, dass er ihn, als den leckersten Bissen, bis zuletzt aufspare. Um sich zu retten, machte Odysseus das Ungeheuer mit dem Weine trunken, den er mit sich gebracht hatte, brannte ihm dann mit einem glühenden Baumstamm, dem Stabe des Riesen, sein Auge aus, band sich und seine noch lebenden Gefährten unter die Bäuche der Schafe fest, die Polyphem in der Höhle hatte, und entkam so, als dieser die Schafe aus der Höhle auf die Weide entließ.

Als Odysseus auf seinen Irrfahrten zur Insel der Circe kam, sandte er einen Teil seiner Mannschaft ab, um das Innere der Insel zu erforschen. Eurylochus, der Anführer derselben, hielt sich in der Ferne; da seine Freunde von der Göttin in ihren Palast geladen wurden, so entging er der Gefahr, wie diese nach vollbrachtem Mahl in ein Schwein verwandelt und mit Eicheln gefüttert zu werden. Odysseus ging nun allein zu der gefährlichen Zauberin; Mercur aber hatte ihm ein Kraut gegeben, Moly genannt, welches ihn gegen Verzauberung sicher machte. - Das Staunen, welches C. ergriff, da ihr Zaubertrank auf den Helden keine Wirkung zeigte, ließ sie sich ihm unterwerfen; sie schwor, ihm und seinen Freunden kein Leid zuzufügen und die Verwandelten zu befreien und teilte dann ihr Reich und ihre Liebe mit ihm; ein Jahr lang lebte er dort, und "gebar ihm mehrere Kinder": Agrius, Latinus, Telegonus und Cassiphone. Jetzt zog den Helden die Sehnsucht zur Heimat, doch zuvor sandte Circe ihn zum Hades, um den Schatten des Teiresias um Rat zu fragen. Odysseus reiste dahin, kehrte wieder zurück und erhielt nun von der Geliebten alle Hilfe zur Fortsetzung seiner Reise.

Bei den Lästrygonen lernt Odysseus in der Stadt Telephylus den Antiphates kennen. In einen geräumigen rings von Felsen umschlossenen Hafen einlaufend, sandte er zwei Männer mit einem Boten zur Erkundigung des Landes aus und um gastliches Obdach zu suchen. Diese trafen ein Mädchen, des Antipathes Tochter, welche am Brunnen Artacia Wasser schöpfte. Sie führte die Fremden in die Wohnung des Vaters, wo die riesige Frau des Antipathes ihnen entgegentrat und sie erschreckte, doch noch mehr entsetzten sie sich, als diese den König selbst herbeirief, welcher, an Grösse ein Gigant, sogleich den Boten auffrass; die beiden andern entflohen, doch der König weckte durch sein Gebrüll die Stadt auf; die Flotte der Fremdlinge und die darauf befindliche Mannschaft wurde durch von Felsen herabgestürzte Steine vertilgt; von zwölf Schiffen blieb nur das eine des Odysseus übrig.

Auf der Insel Ogygia hatte Calypso ein Feenschloss, das von unbeschreiblicher Pracht war; in diesem saß sie, am goldenen Webstuhl herrliche Bilder webend, als Odysseus, durch Stürme getrieben, nachdem er, an einen Mast angeklammert, neun Tage auf offenem Meere gewesen, auf ihrer Insel anlangte. Was die Götter an Freude zu geben vermögen, bot ihm die schöne Fee an: Unsterblichkeit und ewige Jugend, wenn er nur immer bei ihr bleiben wolle. Sieben Jahre hielt sie ihn fest und brachte ihm drei Kinder zur Welt, während er vor Heimweh sich immer den Tod wünschte, bis auf Drängen der Athene Zeus durch Hermes der Calypso den Befehl sandte, ihren Geliebten zu entlassen, und nun gab sie ihm selbst Holz und Werkzeug, um sich ein Schiff zu bauen, auf welchem er entkam.

Nach 10jährigen unermesslichen Mühsalen gelangte Odysseus endlich nach Scheria, der Insel des Phäakenkönigs Alcinous. Er war nackt an der Insel gelandet, nachdem er Schiff und Mannschaft verloren, und nachdem er, todmüde von den auf dem Meere erlittenen Mühen, am Ufer sich in einen Haufen dürrer Blätter verborgen hatte und in einen tiefen Schlaf gesunken war, weckte ihn das Geschrei, das Nausicaa und ihre Gehilfinnen, nachdem sie am Meer Wäsche gewaschen hatten, beim Ballspiel erhoben. Als eine Grauengestalt tritt er hervor; die anderen Mädchen entflohen, nur die Tochter des Königs hatte den Mut, den Fremdling zu erwarten; sie reichte dem Flehenden ein Gewand und nahm ihn mit an des Vaters Hof, wo derselbe bei Spielen sich als stärkster und tapferster erweist und so als Held erkannt wird. Er wird auf das freundlichste empfangen und kann mit Geschenken überhäuft von da nach Ithaca zurückkehren. Dort angekommen kann er mit Hilfe seines Sohnes Telemachus und weniger treu gebliebenen Diener sein Haus von den Freiern säubern, die sich dort eingenistet haben und um Penelope werben.

Die bildende Kunst hat ihn meist als Schiffer aufgefasst, und mit halbeiförmiger Schiffermütze dargestellt.