Die Curia Iulia



Die KurieMeist sind die Besucher über das Zentrum römischer Macht enttäuscht. Die Halle ist keineswegs groß und überhaupt nicht prächtig. Allerdings stammt dieses Gebäude erst aus später Zeit. Die alte CURIA HOSTILIA aus der Königszeit wurde bei den bürgerkriegsähnlichen Unruhen zwischen den Anhängern Caesars (Clodius) und des Pompeius (Milo) zerstört. Danach musste der Senat in den verschiedensten Tempeln tagen, was vorher nur gelegentlich der Fall war. Erinnern wir uns, dass CICERO seine berühmte Rede gegen CATILINA im Tempel des JUPITER STATOR hielt. Caesar gab sofort die Erneuerung der Kurie in Auftrag, aber bei seinem Tode war sie unvollendet. Er selbst wurde ja bei der Senatssitzung, die im Theater des Pompeius (heute: Largo Argentina) stattfand, ermordet. Der Bau wurde dann erst unter Augustus vollendet und 28 v.Chr. eingeweiht. Das augusteische Gebäude jedoch brannte mehrmals nieder und wurde wieder aufgebaut.

Unser Bau stammt aus der Zeit des DIOKLETIAN, Ende des 3.Jh.n.Chr. Im Mittelalterwurde die Kurieihres gesamten Schmuckes beraubt. Zum Glück wandelte man sie aberspäter in eine Kircheum. Man hat das Gebäude sogar als Begräbnisplatzbenutzt. Links und rechts von der Tür bemerkt man Mauerwerk, das durch seine Färbung zeigt, dass es nichtursprünglich zum Gebäude gehörte. In diese Nischen hat man im MA die Toten bestattet. Folglich müssen die Erdablagerungen noch höher als diese Gräber ge­wesen sein. Alte Stichezeigen, dass die Durchgänge des Sepitimius – Severus - Bogens völlig zugeschüttet waren. Der Platz mit Aussichtsterrasse vor der Kirche zur Linken zeigt das spätere Straßenniveau. Das obere Fenster diente einst als Eingang zur Kirche.Die Originaltüren hat man in der Lateransbasilika eingesetzt.

DAS INNERE: An den beiden Längsseiten entlang ziehen sich drei übereinander liegende Reihen marmorner Sitzbän­ke, an der Schmalseite, der Versammlung zugewandt, standen dieAmtssessel der höheren Magistrate. An der hinteren Hallenwand stand die berühmte Statue der Victoria (Sockel noch sichtbar). Betrat ein Senator das Hohe Haus, schritt er zuerst zum Siegesaltar und warf ein paar Körnchen Weihrauch in ein Kohlebecken, das vor dem Altar glühte. Wie im britischen Unterhaus gibt es keine Rednertribüne, und die Redner sprachen von ihren Plät­zen aus zur Versammlung. Zu einer Abstimmung sammelten sich die Befürworter des Antrags auf der einen, seine Gegner auf der anderen Seite des Hauses. Es hätte sich mit der Würde und der Tradition des Ortes nicht vertra­gen, eine "moderne" Hypokaustenheizung einzubauen. So konnte die Halle auch nicht beheizt werden. Ein Teil der würdevollen Autorität, die fremde Gesandte so beeindruckte, ist sicher auf das kühle Klima und die unbequeme Wolltoga zurückzuführen, die die Senatoren hier tragen mußten.