Der Septimiusbogen |
In dem Triumphbogen, auf dem ein Viergespann und bronzene Reitergestaltenleuchteten, war ursprgl. eingeschrieben, dass das römische Volk das Monument dem Kaiser SEPTIMIUS SEVERUS und seinen beiden Söhnen GETA und CARACALLA widme. Nach dem Tode des Vaters erschlug Caracalla sogleich seinen Bruder und ließ dessen Namen aus dem Monument wieder ausmeisseln. Caracalla war Nero in dessen Haltung, Sitte und Irrsinn ähnlich, nur dass er nicht seine künstlerischen Ambitionen besaß. Im Tode waren sie wieder gleich: beide wurden vom Heer erschlagen.
LEBEN DES SEPTIMIUS SEVERUS: S.S. war einer jener Männer, denen es das Imperium zu verdanken hat, dass es nicht schon früher in Trümmer sank, auch wenn manche Züge an ihm ihn uns nicht gerade sympathisch machen. Dieser Kaiser war ein großer Soldat und ein Mann von eiserner Disziplin, ging aber bei der Durchsetzung seiner Ziele recht skrupellos vor, was ihm seinen Beinamen "der Strenge" eintrug. Dabei war er als Junge anscheinend sehr liebenswürdig und so weichherzig, dass er sich beim Anblick der verurteilten Verbrecher, die gegen wilde Tiere kämpfen mussten, unter Tränen abwandte, was ihn beim Volk sehr beliebt machte. S.S. war bereits 62, als an den Grenzen Britanniens schwere Unruhen losbrachen. Die KALEDONIER (Schotten) stießen immer wieder über den Hadrianswall nach Süden vor. Da entschloss sich der Mann, den Barbaren einen Denkzettel zu geben, der sie von weiteren Raubzügen abhalten sollte. Mit dieser Aktion verband er noch einen anderen Zweck: seine beiden Söhne Geta und Caracalla, die dem Luxus ergeben waren, sollten einige Zeit aus dem lebenslustigen Rom abgezogen werden. In York schlug S.S. sein Hauptquartier auf, um den Zug gegen die Schotten zu organisieren.
Von diesem Volk wurde Erstaunliches vermeldet: trotz der nördlichen Lage gingen diese Leute barfuß, oft sogar nackt herum, beim Kampf malten sie sich blau an, im Zivilleben teilten sie ihre Frauen miteinander (Ferkel!) und zogen ihre Kinder gemeinsam auf. Noch andere erstaunliche Dinge erzählten sich die Römer über sie: sie kämpfen vom Streitwagen aus, der von kleinen, zähen Pferden gezogen wird. Ihre Lieblingsbeschäftigung sind Raubzüge. Wenn sie dabei verfolgt werden, fliehen sie in die Sümpfe, wo sie sich bis zum Hals im Moor verstecken (Fango!) und so dort tagelang sitzen bleiben. In den Wäldern ernähren sie sich u.a. von Wurzeln und Baumrinde. Jedenfalls machten diese Naturburschen den Römern das Leben sauer. Ihre Guerillataktik brachte den Soldaten Roms beträchtliche Verluste. Trotzdem zog S.S. entschlossen immer weiter nach Norden, bis er an der nördlichsten Stelle der Insel halt machte und stolz feststellte, dass noch kein Römer so weit nach Norden vorgedrungen war. Trotz seiner schlimmen Gicht beeindruckte der Kaiser die Feinde dermaßen, dass sie um Frieden baten. Kaum war aber S.S. im Winterlager in York, gingen sie wieder auf Raubzug. Diese Nachricht und die Erkenntnis, dass sein Sohn Caracalla sehnlichst auf den Tod des Alten wartete, warf ihn aufs Krankenlager. Schließlich starb er in York. Die erste Leistung Caracallas in Rom war die, seinen Bruder um die Ecke zu bringen.
INSCHRIFT: Dem Imperator Caesar Septimius Severus, dem Sohn des Marcus, dem Pius, Pertinax Augustus, Vater des Vaterlandes, dem Besieger der Parther, der Araber und des parthischen Ardiabene, dem Pontifex Maximus, der zum 11.Mal Träger der Macht eines Tribuns, zum 11.Mal zum Imperator ernannt, zum dritten Mal Konsul und Prokonsul ist; und dem Imperator Caesar Marcus Aurelius Antoninus, Sohn des Lucius, dem Augustus, Pius, Felix, der zum sechsten Mal die Macht eines Tribuns hat, dem Konsul, Prokonsul, Vater des Vaterlandes; den besten und stärksten Fürsten für die Rettung des Staates und Erweiterung des Imperiums des Römischen Volkes und für ihre außerordentlichen Leistungen in der Heimat und im Ausland. SPQR. An der Stelle des heute sichtbaren OPTIMIS FORTISSIMISQUE PRINCIPIBUS stand einst P. Septimi Getae Caesari, der Name des erschlagenen Bruders.