Der Vestatempel |
In diesem Tempel wurde das heilige Feuer der Vesta fortdauernd brennend beschützt, denn das Verlöschen beschwor großes Unglück hervor. Das Innerste des Tempels war nur den Vestalinnen zugänglich. Hier waren die Gegenständeaufbewahrt, die Äneas aus dem zerstörten Troja gerettet hatte, ein Pfand, von dem Roms universeller Ruhm abhing. Auch das Palladium gehörte dazu, eine alte Holzstatue der Minerva, und die Bilder der Penaten.
Die Vestalinnen traten als Novizen im Alter zwischen 6-10 Jahren in das Haus ein, wo sie 30 Jahre in jungfräulicher Reinheit zu leben verpflichtet waren. Die Jungfrauen wurden von den höchsten religiösen Würdenträgern zu ihrem Priesteramt ausgewählt. Aus 20 für das hohe Amt vorgeschlagenen Jungfrauen zog der Pontifex Maximus das Los mit den Namen der Novizen. Diese waren zunächst Patrizier- ,später auch Plebejertöchter. Den Vestalinnen wurden die höchsten Ehren zuteil. Jeder römische Bürger, sogar der Konsul, musste ihnen den Vortritt lassen. So groß war ihre Wirkung, dass der zum Tode Verurteilte, der ihren Weg kreuzte, freigesprochen wurde. Die Vestalin, die das heilige Feuer erlöschen ließ oder ihr Keuschheitsgelübde brach, wurde lebendig begraben.
Plutarch beschrieb am ausführlichsten, wie es einer Vestalin ergeht, die ihr Gelübde verletzt hat: "Die des Inzestes überführte Vestalin wird bei lebendigem Leibe eingemauert. Sie wird in ein kleines Gewölbe durch eine Leiter hinabgelassen. Unten befinden sich ein Bett, eine Öllampe und einige wenige Vorräte, wie Brot, Wasser, Milch und Öl. Diese Vorräte (die in der Tat noch eine Verfeinerung der Grausamkeit bedeuten) werden bereitgestellt, da man es für eine Art Sacrilegium hält, eine Frau Hungers sterben zu lassen, die bisher den Göttern geweiht war. Auf einer Bahre angeschnallt, wird die unglückselige Übeltäterin an diesen Ort gebracht, die Bahre ist verdeckt, so dass niemand der anwesenden Leidtragenden ihr Stöhnen und Klagen hören kann. Schweigend gibt die Menge den Weg für die Durchfahrt der Bahre frei. Die Tränen strömen den Zuschauern über das Gesicht, es ist unmöglich, sich einen entsetzlicheren Anblick vorzustellen, die ganze Stadt ist vor Schrecken und Schmerz wie erstarrt. Die Bahre wird bis nahe an den Rand der Öffnung gebracht, der Henker durchschneidet die Riemen, der Oberpriester spricht unhörbar, die Arme zum Himmel erhoben, ein Gebet und nimmt dann von der Schuldigen Abschied. Er geleitet sie noch zur Leiter und kehrt sich in dem Augenblick ab, als die Unglückliche den Blicken entschwindet. Sobald sie unten angekommen ist, wird die Leiter hochgezogen, die Öffnung mit einer Steinplatte versiegelt und bis an den Rand mit Erde aufgeschüttet. Danach wird jede Spur der Hinrichtung beseitigt". Die Stelle liegt heute nicht weit entfernt vom Hauptbahnhof.
STATUEN: Wir schauen uns die Statuen der Vestalinnen an, die natürlich aus späterer Zeit stammen:TERENTIA FLAVOLA (3 Statuen) FLAVIA PUBLICIA (2 Statuen). Die Ehreninschrift für diese Frau soll ganz wiedergegeben werden: "Gewidmet der Flavia Publicia, der Verehrungswürdigsten und Frömmsten, die durch alle Ränge des Priesterdienstes ging, die bei den göttlichen Altären aller Götter und bei den heiligen Feuern Tag und Nacht ihren Dienst mit frommem Sinn und nach den Vorschriften versah, die dieses Amt in entsprechendem Alter (d.h. zum frühest möglichen Zeitpunkt) erreichte. (Diesen Stein) errichtete Bareius Zoticus und seine Frau Flavia Verecunda wegen der außerordentlichen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Priesterin ihnen gegenüber am 30.September während des dritten Konsulats von Valerian und Gallienus."
Beachtenswert ist eine Statuenbasis aus dem Jahre 364 n.Chr., die auf der Südseite bei der Treppe aufgebaut ist: der Name der Vestalin wurde getilgt, man kann jedoch noch den ersten Buchstaben, ein C erkennen. Es handelt sich um die Vestalin CLAUDIA, die zu den Christen übertrat und deren Namen von den Anhängern der alten Religion getilgt wurde.