Ara Pacis



Seit der Adoption durch seinen Großonkel Gaius Julius Caesar hieß Octavianus auch Caesar. Erst im Jahre 27 v.Chr. verlieh ihm der Senat als besondere Ehre den Beinamen Augustus, der Erhabene, mit welchem er in die Weltgeschichte eingegangen ist. Vierzehn Jahre später, als er 13 v. Chr. als 50jähriger aus den neu geordneten Provinzen Hispania und Gallia zurückkehrte, beschloss der Senat eine nie da gewesene Ehrung: die Errichtung eines Altares für die Pax Augusta, die Göttin des von Augustus gebrachten Friedens.

Über Jahrhunderte war die Ara Pacis verschollen; als dann im 16. Jh. an der Kreuzung der alten Via Flaminia mit der Via Lucina ein Palazzo gebaut werden sollte, fand man neun Blöcke der Umfassungsmauer des Altars, die in den Besitz der Familie Medici gelangten. Man wusste aber noch nicht, worum es sich handelte. 1859 wurden bei Renovierungsarbeiten an dem alten Palazzo erneut Stücke entdeckt und ausgegraben. Nachdem man 1879 festgestellt hatte, dass es sich zweifelsfrei um Teile der Ara Pacis handelte, begann man systematisch weiterzusuchen, kam aber wegen der fehlenden technischen Möglichkeit, die Fundstücke aus dem Fundament des Hauses zu lösen, nicht zum Erfolg. Erst 1937 wurde die Ausgrabung möglich durch den genialen Einfall, das Grundwasser zu vereisen und unterhöhlte Palastmauern mit Eisenbeton abzustützen. Die Ara Pacis wurde wieder errichtet, allerdings nicht am ursprünglichen Standort, da dort alles bebaut war, sondern neben dem Mausoleum des Augustus. Die Architektur wurde rekonstruiert, die Reliefs wieder zusammengefügt. Allerdings befinden sich bis heute nicht alle Stücke im Besitz des italienischen Staates, so dass einige Stellen noch immer fehlen.

Der Altar erhob sich im Freien auf dem Marsfeld, wo ebenfalls unter freiem Himmel der Altar für den Kriegsgott Mars stand. Er stand dort auf einem Podest mit mehreren Stufen. Da der Priester die Opferhandlung in aller Stille nur im Beisein weniger Diener vollzog, wurde das Gehäuse sehr eng gestaltet, eine Art rechteckiger Kasten ohne Dach mit fenster-losen Wänden. Für die Außen-wände wählte man die Plastik als Verzierung, da Gemälde zu schnell verblasst wären. Als Vorbild dienten griechische Tempelfriese: die Pilaster an den Ecken wurden mit Pflanzenmustern geschmückt, die breiten Felder dazwischen wurden in zwei übereinanderliegende Hälften gegliedert, die untere mit Ranken verziert, die obere mit bildlichen Darstellungen. An den Längswänden wurde die feierliche Zeremonie der Einweihung festgehalten als Ausdruck des Dankes für den Frieden und die Neuordnung des Reiches; der Staat wird dabei in Gestalt der Führungsschicht unter Leitung Caesars repräsentiert.

An der Westseite sind Szenen zu erkennen, die sich auf die Gründung Roms beziehen: auf der linken (fast zerstörten) Seite war Faustulus abgebildet, jener Hirte, der die Zwillinge Romulus und Remus bei der Wölfin fand und großzog. Ebenfalls im Baild war hier ihr leiblicher Vater Mars, von dem Bruchstücke gefunden wurden. Das Bild rechts davon stellt Äneas dar, der dabei ist, an einem ländlichen Altar den Penaten, den römischen Hausgöttern, zu opfern. An der Ostseite ist die Göttin Tellus - die Mutter Erde - zu sehen. Dieses Relief ist ein ausdrucksvolles Beispiel der Kunst in der augusteischen Zeit. In der Mitte sitzt auf einem Felsen eine blühende weibliche Gestalt, im Schoß hält sie liebevoll zwei Kinder. Ringsum sieht man Pflanzen und Blüten, in ihrem Schoß Früchte, die die Fruchtbarkeit des Landes symbolisieren. Das friedliche Tierreich wird durch eine Kuh und ein Schaf zu ihren Füßen dargestellt. Wasser und Luft sind durch zwei Genien dargestellt, von denen der eine auf einem Schwan dahinschwebt, der andere auf dem Rücken eines sagenhaften Wassertieres reitet.

An den Seitenwänden ist die Zeremonie der Altareinweihung dargestellt, die am 1. Jan. 9 v. Chr. stattfand. Den Beginn der Prozession bildet die Gruppe von Liktoren, die vor dem Kaiser Raum schaffen. Nach den Liktoren eröffnet Augustus den Zug. Wie Äneas hat auch er den Mantel für das feierliche Opfer über den Kopf gezogen. Neben dem Kaiser sind die beiden Konsuln, links sein Nachfolger Tiberius zu sehen. Alle folgenden Personen sind mit dem Kaiser verwandt oder haben hohe Staatsämter inne. Ebenfalls ist der Freund des Kaisers Agrippa in der Figur des Opferdieners mit dem Beil dargestellt. Es folgen später die Frauen des kaiserlichen Hauses mit Livia, seiner Gattin, und seiner Tochter Julia, die zu dieser Zeit noch mit Agrippa verheiratet ist.

An der Nordseite sind die Köpfe der vorderen Figuren leider verlorengegangen. Die gut erhaltenen Köpfe wurden im 18 Jahrhundert restauriert, so dass ihnen historische Personen kaum zuzuordnen sind. Über die Meister ursprünglichen Reliefdarstellungen ist nichts bekannt, ihr Stil läßt aber darauf schließen, dass es sich um griechische Künstler handelte.